Begrüßung durch Bürgermeister Michael Gerdhenrich Präsentation der Geschichtswerkstatt des Heimat- und Geschichtsvereins Beckum 15. November 2022

Sehr geehrter Herr Wittenbrink,
verehrte Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins Beckum,
meine sehr geehrten Damen und Herren,


zunächst einmal ergeht mein herzlicher Dank für die Einladung an den Heimat- und Geschichtsverein Beckum.2 Jahre Recherchearbeit zu 3 wichtigen und außerordentlich schmerzhaften Kapiteln der Beckumer Geschichte: Die Geschichtswerkstatt des Heimat- und Geschichtsvereins hat sich intensiv mit dem Nationalsozialismus, der Zwangsarbeit und der Judenverfolgung in Beckum auseinandergesetzt. Unter der fachmännischen Begleitung des Historikers Ingo Löppenberg haben Sie Zeitzeugen befragt, zahlreiche Quellen ausgewertet und präsentieren heute die Ergebnisse. Das machen Sie auf eindrückliche Weise mit toller Unterstützung hier im Stadttheater. Ich freue mich, dass Sie Ihre Erkenntnisse heute in diesem Rahmen vorstellen und so etlichen Multiplikatoren zugänglich machen.
Die meisten Menschen wissen, was in Deutschland, was in Europa passiert ist, auch wenn es schwer zu ertragen, schwer zu begreifen ist. Doch welche Ereignisse vor Ort, im eigenen Heimatort, geschehen sind, welche Menschen vor Ort am Unrecht beteiligt waren, welche Unternehmen Zwangsarbeiter beschäftigt haben, wie sich der Nationalsozialismus in Beckum Bahn gebrochen hat, was sich in den Jahren 1933 bis 1945 ganz konkret bei uns zugetragen hat, das wissen viele nicht.
Umso wertvoller sind Ihre Erkenntnisse.
Denn, was in der eigenen Heimat, in den eigenen Reihen, auf der eigenen Straße, beim eigenen Arbeitgeber, in den örtlichen Räumlichkeiten geschehen ist, das ist – bei aller Fülle von Leid und Tragik – viel leichter zu greifen, leichter einzuordnen als etwas, das irgendwo anders stattfindet, stattfand. Vor allem dann, wenn die Opfer hier gelebt haben, im Falle der jüdischen Menschen Beckumerinnen und Beckumer waren. Und gleichzeitig ist es so erst recht unfassbar und unbegreiflich, waren es doch unsere Vorfahren, die hier mitgewirkt haben am Grauen der NS-Zeit, die mehr oder weniger Schuld auf sich geladen haben, die es hautnah miterlebt haben.
Ich danke allen, die die Recherchen vorgenommen und zusammengetragen haben, ganz herzlich für diese wichtige Arbeit, die es so bisher nicht gegeben hat. Nur durch die schonungslose Aufarbeitung der Geschichte, nur durch die stetige Erinnerung, kann ein NIE WIEDER gelingen, können Toleranz und Nächstenliebe, Dialog und Wahrheit über Fremdenhass, Intoleranz, verdrehte Tatsachen und Geschichtsklitterung siegen!
Ich danke allen, die Sie dabei unterstützt haben, etwa durch Zeitzeugenberichte. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Denn, während es natürlich von unschätzbarem Wert für andere ist, wenn Menschen ihnen aus eigener Anschauung von Stimmungen und Taten berichten, so sehr ruft es bei denen, die es hautnah erlebt haben, immer wieder wach, was so schmerzhaft und unerträglich ist, auch wenn es noch so lange her ist. Dafür ein ganz besonderer Dank an die Zeitzeuginnen und Zeitzeugen!
Ich bin sehr gespannt auf die Vorträge und Einlagen, die Sie gleich präsentieren werden. Außerdem bin ich sehr gespannt auf das pädagogische Konzept, das Sie erarbeitet haben, damit die weiterführenden Schulen damit arbeiten können. Denn auch für Kinder und Jugendliche ist Geschichte anschaulicher, wenn auch nicht zu begreifen, wenn sie direkte lokale Anknüpfungspunkte an Geschehenes haben. Das wird den Geschichtsunterricht an den Schulen ganz sicher sehr bereichern.
Und nun mache ich die Bühne frei für Ihre Präsentation!